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MAULTROMMEL

"Maultrommeln in Österreich, Deutschland & Weltweit"
Informations-, Unterrichts- & Behandlungsangebot von Bernhard Mikuskovics

Bernhard Mikuskovics: Maultrommel Unterricht in der VS Dörfl

"War die Leier mir zersprungen
Hab ich mit dem kleinen Eisen
Der Natur oft nachgesungen
Ihre schmerzlich süßen Weisen

In die Töne, die es spielte
Hört' ich oftmals übertragen
Was ich tief im Busen fühlte
Und nicht konnt' in Liedern sagen"

Justinus Kerner: Meine Maultrommel

(Bernhard Mikuskovics spielt Maultrommel beim 7. internationalen Maultrommelfestival & -kongress in Jakutsk)

URSPRUNG & TRADITION:
"Die Maultrommel ist ein aus Asien stammendes Oberton- bzw. Borduninstrument, das über die Jahrhunderte Einzug in viele Kulturkreise dieser Welt gefunden hat. In der Instrumentenkunde wird die Maultrommel sowohl den Instrumentenfamilien der Zupfidiophone (Selbstklinger) als auch der Aerophone (Luftklinger) zugeordnet, da ihre Spieltechniken sowohl auf dem Anzupfen als auch auf der Atmung beruhen und dadurch keine klare Trennlinie bezüglich der Klassifikation des Instrumentes gezogen werden kann. Entsprechend der kulturellen Verbreitung variiert auch ihr Name: in den alpinen Regionen Mitteleuropas heißt sie Brummeisen, in Sibirien Khomus, in der Mongolei Hel Khuur, in Skandinavien Mungiga, Munharpa oder Munniharppuuna.

Von all den vielen verschiedenen Maultrommeltraditionen sind der österreichische, norwegische, indische und der jakutische Maultrommelstil am bekanntesten, eindrucksvollsten und ausgeprägtesten.

In Europa ist die Maultrommel seit dem frühen Mittelalter bekannt und wurde hauptsächlich als Begleitinstrument in der Volksmusik eingesetzt. Im 18. Jhdt erlebte sie ihre Blütezeit als Virtuoseninstrument und es wurde versucht, eine Verbindung zwischen klassischer und volkstümlicher Musik herzustellen. Dies fand seinen Höhepunkt in Konzerten, die ein Lehrer Beethovens, Johann Albrechtsberger, um 1770 für Maultrommel und Mandora schrieb.Aber auch andere Komponisten, wie Johann Heinrich Hörmann (1694 Saulgau / Württemberg – Freiburg/Br. 1763 - u.a. ab 1715 Hof- und Pfarrorganist, ab 1724 Direktor der Hofmusik in Innsbruck) gaben der Maultrommel einen Platz in ihren Kompositionen. Die berühmten Maultrommelvirtuosen des 18. und 19. Jhdts waren Bruno Glatzl, Franz Koch und Karl Eulenstein.

(Maultrommelworkshop mit Bernhard Mikuskovics im steirischen Wörschach)

Dass den Klängen der Maultrommel eine erotisierende Wirkung zugeschrieben wird, äußerte sich in der, im Alpenland verbreiteten, Tradition des "Fensterlns", wo ein junger Mann seiner Liebsten des Nächtens mit der Maultrommel ein Ständchen brachte. Die Maultrommel wurde deshalb im Alpenland gemeinhin auch gerne als "Dirndllocker" bezeichnet. Allerdings sah das die Kirche nicht gerne und so wurde im Jahr 1856 das Spielen mit der Maultrommel beim Fensterln von der katholischen Kirche verboten.

(Bernhard Mikuskovics mit den jakutischen Khomuslegenden Spiridon Shishigin & Albina Degtyareva zu Besuch bei Maultrommelschmied Wimmer Bades im österreichischen Maultrommelmekka Molln)

(Bernhard Mikuskovics im Khomus Museum in Jakutsk)

Das Maultrommelspiel lässt sich bis in archaische Zeiten zurückverfolgen.
Da die Obertöne schon von Anbeginn der Welt, lange vor dem ersten gesprochenen Wort, in der Natur existierten, bedienten sich die Menschen verschiedenster archaischer Kulturen ihrer Sprache, um mit den Wesenheiten der Natur zu kommunizieren, und um sich in energetischer Weise mit ihnen zu vereinen. Denn diese Sprache kann man nicht intellektuell erfassen, sondern sie zwingt einen dazu, sich gefühlsmässig zu öffnen und mit seiner Umwelt zu verschmelzen - eins zu werden. Der Mensch erfährt sich als das, was er ist - ein mit allen Wesen gleichberechtigter Teil der Schöpfung, denn die Natürlichkeit der Obertöne harmonisiert die Wahrnehmung. Für das normale Alltagsbewusstsein von Menschen, die sich gedanklich von dieser Natürlichkeit entfernt hatten, waren deshalb Menschen wie Sänger oder fahrende Spielleute, die die Obertontechnik beherrschten, mit übernatürliche Kräften ausgestattet.

(Bernhard Mikuskovics beim Ysyakh Festival in der Republik Sacha)

In diesem Sinne sangen oder spielten die Schamanen Zentral- und Nordasiens mit ihren Maultrommeln Obertöne, um mit Naturgeistern und anderen Wesenheiten ihrer Umwelt in Kontakt zu treten. Sie glaubten daran, dass Obertöne Tore zu den unterschiedlichen Bereichen des Seins wären. Daher benutzten sie ihr Wissen um die Schwingungsfrequenzen der Obertöne auch dazu, um kranke Menschen zu heilen. Heute besinnt man sich wieder auf dieses Wissen und versucht mit seiner Hilfe, psychische Störungen musiktherapeutisch zu heilen.

(Bernhard Mikuskovics: Khomustherapie)

HERSTELLUNG, SPIELTECHNIK & KLANG:
Maultrommeln gibt es in unterschiedlichen Ausführungen - sie werden aus Metall, Bambus, Holz oder Knochen gefertigt. Entsprechend ihrer Herstellung wird die Maultrommel grundlegend in zwei verschiedenen Arten klassifiziert:

Die heteroglottale Maultrommel: An einem Stahlbügel in Hufeisenform ist eine elastische Feder befestigt, die zwischen den beiden zusammengebogenen Enden frei schwingen kann. Man legt den länglichen Teil des Instrumentes an die Vorderzähne an und versetzt die Stahlzunge mit der Spielhand in Schwingung. Dabei dient die Mundhöhle als Resonator, und je nach Stellung der Lippen, der Zunge und des Gaumens können die einzelnen Obertöne des Grundtones exakt angspielt werden. Diese Form der Maultrommel (Bügelmaultrommel) ist vor allem in Europa, Zentralasien und Indien vertreten.

(Bernhard Mikuskovics zu Besuch bei dem österreichischen Meistermaultrommelschmied Sepp Jofen in seiner Werkstatt in Molln)

 

Die idioglottale Maultrommel: Im Gegensatz zu der heteroglottalen Maultrommel besteht diese Art der Maultrommel aus nur einem flachen Stück (Metall oder Bambus), in den ein Zwischenraum eingeritzt oder gesägt wird. Dadurch entsteht eine bewegliche Zunge innerhalb eines geschlossenen Rahmens. Beim Anzupfen wird die ganze Maultrommel in eine Richtung gebogen und der Ton ensteht dadurch, daß die Zunge beim Loslassen in Gegenrichtung durch den Rahmen schwingt. Diese Form der Maultrommel ist vor allem in Südostasien, China und Ozeanien vertreten.

(Bernhard Mikuskovics spielt Maultrommel beim Pfeifertag auf der Niedergadenalm im Salzkammergut)

Jede Maultrommel hat einen Grundton, der aufgrund ihrer Bauweise nicht verändert werden kann. Auf diesem Grundton bauen die sogenannten Obertöne auf. Was aber sind nun Obertöne bzw. wie entstehen sie?
Ein einzelner Ton besteht aus einem Grundton und mehreren Obertönen, die auch Teiltöne oder Partialtöne genannt werden. Diese Teil (Ober)-töne bilden, ähnlich dem Licht, das aus abgestuften Spektralfarben zusammengesetzt ist, eine Tonfolge, die als Naturtonreihe bezeichnet wird. Naturtonreihe deshalb, weil sie in der Natur natürlich vorkommt. Darin liegt über dem Grundton seine Oktave, deren Quinte, eine zweite Oktave, deren große Terz etc. Die Räume zwischen den Obertönen werden also im Sinne einer arithmetischen Reihe beständig kleiner. Jeder natürlich erzeugte Ton besitzt diese Naturtonreihe, der wahrgenomme Grundton ist lediglich der für das menschliche Gehör am stärksten hervortretendste Ton dieser Reihe.

(Bernhard Mikuskovics spielt Maultrommel im Audi Max, Wien)

MAULTROMMEL & UNESCO:
Am 1. Dezember 2012 bekam der Österreichische Maultrommelverein die Urkunde zur Aufnahme ins immaterielle Kulturerbe Österreichs überreicht! Mikuskovics Baum’s Interpretation des österreichischen Volksmusikstückes "Menuett aus Arbesbach" mit Maultrommel & klassischer Harfe hat dazu beigetragen und ist auf der Website der Österreichischen Unesco Kommission im Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes unter Audio Dateien gelistet.

(Spiridon Shishigin, Vladimir Markov & Bernhard Mikuskovics live im DOM in Moskau)

MAULTROMMEL UNTERRICHT:

-> Maultrommel Schulprojekt 2016
-> Maultrommel Schulprojekt 2017

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