| Die Kunst des
Obertonsingens ist eine archaisch- ursprüngliche Gesangstechnik, die ihre
Wurzeln in den schamanischen Traditionen prähistorischer, nomadischer Kulturen
hat. Heutzutage wird sie hauptsächlich mit zentral- bzw. ostasiatischen Ländern
wie Tibet, Tuva, oder der Mongolei in Verbindung gebracht. Da die Völker
dieser Länder bis in die heutige Zeit ausgeprägte schamanische Traditionen
besitzen, die in einer ununterbrochenen Linie von einer Generation an die nächste
überliefert wurden, und sich glücklicherweise aufgrund der geografischen
Bedingungen des Kulturraumes, in dem sie existieren, vor den Fängen des Kommunismus
retten konnten, bieten sie nicht nur eine ausgesprochen vielfältige Informationsquelle
über die Musikpraktiken in prähistorischen Zeiten, sondern lassen auch
Rückschlüsse auf andere Techniken und deren Verwendung bzw. Wirkweise
zu. Wenige wissen nämlich, daß der Obertongesang ursprünglich
interkulturell in allen Kontinenten zuhause war. In Europa war er bis zur Einführung
des mehrstimmigen Gesanges (Konzil v. Trient - 2. Hälfte des 16. Jhdts.)
mit dem einstimmigen Gesang der Gregorianik (cantus planus) vertreten. |